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00-Beschlussvorlage

                                    
                                        Amt, Datum, Telefon

Drucksachen-Nr.

510 Amt für Jugend und Familie - Jugendamt, 11.01.2019,
51-26 24

7902/2014-2020

Beschlussvorlage der Verwaltung
Gremium

Sitzung am

Beratung

Jugendhilfeausschuss

23.01.2019

öffentlich

Beratungsgegenstand (Bezeichnung des Tagesordnungspunktes)

Bericht zur Mobilen Jugendarbeit in Bielefeld – Bestandsaufnahme / fachliche
Standards / Perspektiven
Betroffene Produktgruppe

11.06.01 Förderung von Kindern/Prävention
Auswirkungen auf Ziele, Kennzahlen

Stärkung der mobilen Jugendarbeit in Bielefeld
Auswirkungen auf Ergebnisplan, Finanzplan

Zusätzliche Haushaltsmittel von 75.000 €/Jahr sind ab 2021 erforderlich und bei der
Haushaltsplanaufstellung zu berücksichtigen
Ggf. Frühere Behandlung des Beratungsgegenstandes (Gremium, Datum, TOP, Drucksachen-Nr.)

Jugendhilfeausschuss, 10.05.2016, TOP 1, Drucksachen-Nr. 3135/2014-2020
Jugendhilfeausschuss, 25.05.2016, TOP 3, Drucksachen-Nr. 3135/2014-2020
Rat der Stadt Bielefeld, 30.06.2016, TOP 5, Drucksachen-Nr. 3135/2014-2020/4
Beschlussvorschlag:

Der Jugendhilfeausschuss beschließt:
1. Der „Bericht zur Mobilen Jugendarbeit in Bielefeld“ wird zur Kenntnis genommen.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Trägern Gespräche aufzunehmen, um zu ermitteln,
welche Angebote der Mobilen Jugendarbeit aus fachlicher Sicht ihre Mobilität erhöhen sollten
und welche Anschaffungs- und Instandhaltungskosten für Fahrzeuge sowie ob zusätzliche
Honorar-und Sachkosten bei Erfüllung dieser Bedarfe entstehen würden. Im Rahmen der
Kostenermittlung als Element der Entscheidungsgrundlage für den Jugendhilfeausschuss ist
die Möglichkeit der gemeinsamen Fahrzeugnutzung durch verschiedene Träger zu prüfen.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, die Umsetzung der Projektidee „Jugendbus“ zu realisieren:
a. Das Projekt soll zunächst in einer ca. zweijährigen Pilotphase während der
renovierungsbedingten Schließung der Jugendeinrichtung Niedermühlenkamp mit dem
Träger „Verein zur Förderung der Jugendarbeit e.V.“ erprobt werden. Dabei ist auch
bereits ein stadtweiter Einsatz des Jugendbusses in enger Absprache mit den stationär
verankerten
Jugendeinrichtungen
und
deren
Trägern
sowie
mit
der
Jugendhilfeplanung/Jugendpflege zu erproben.
b. Anschließend soll eine weitere zweijährige Erprobung erfolgen, in der der stadtweite
Einsatz im Mittelpunkt der Arbeit mit dem Jugendbus steht. Für diese zweite Phase ist die
Trägerschaft durch einen gesonderten Beschluss des Jugendhilfeausschusses zu
vergeben. Der ab 01.01.2021 voraussichtliche Mittelbedarf von 75.000 €/Jahr ist bei der

Mittelanmeldung ab dem Jahr 2021 vorsorglich zu berücksichtigen.
4. Die Verwaltung wird beauftragt, nach entsprechenden Gesprächen mit dem Bielefelder
Jugendring und den Trägern der Spielmobile eine Aussage zur auskömmlichen Finanzierung
der Spielmobilangebote zu treffen, damit der Jugendhilfeausschuss hierüber entscheiden
kann.
5. Über die Umsetzung ist regelmäßig im Jugendhilfeausschuss zu berichten.
Begründung:

1. Hintergrund
Nach vorheriger Beratung in den Fachausschüssen hat der Rat der Stadt Bielefeld in seiner
Sitzung am 30.06.2016 (TOP 5, Drucksachen-Nr. 3135/2014-2020/4) u.a. folgendes beschlossen:
Die mobilen Angebote in der OKJA ermöglichen ein flexibles Eingehen auf die Situation in
den jeweiligen Quartieren, da mit ihrer Hilfe auch Wohngebiete ohne stationäre Angebote
bzw. mit sich verändernden Bedarfen bedient werden können. Um diesem Anspruch
gerecht zu werden, müssen verstärkt aufsuchende Arbeitsansätze praktiziert werden. Die
Verwaltung wird beauftragt, die Vertragsperiode 2017-2019 dazu zu nutzen, gemeinsam
mit den Akteuren der OKJA verstärkt aufsuchende Ansätze in der Arbeit entwickeln.
In der Folge hat die Verwaltung gemeinsam mit den Trägern eine Überprüfung und
Weiterentwicklung des Konzeptes zur Mobilen und aufsuchenden Arbeit im Bereich der OKJA zur
bedarfsgerechten Versorgung aller Quartiere vorgenommen. Der beigefügte „Bericht zur Mobilen
Jugendarbeit in Bielefeld – Bestandsaufnahme / fachliche Standards / Perspektiven“ gibt die
gewonnenen Erkenntnisse wieder.
2. Erkenntnisse
In Ergänzung zu diesem Bericht werden im Folgenden aus dem Bereich „Unterstützung der
Regelangebote der Kinder- und Jugendarbeit im Rahmen einer bedarfsgerechten Versorgung von
Flüchtlingen“ die stadtweit ausgerichteten und somit auch als mobile Maßnahmen zu
definierenden Angebote kurz dargestellt:


Sportjugend: Die Netzwerkstelle zur Integration von Kindern und Jugendlichen durch Sport
und Stärkung der Regelangebote in der OKJA hat vielversprechende niedrigschwellige
Angebotsformate für junge Menschen in Bielefeld neu geschaffen oder weiterentwickelt. Allen
voran die mittlerweile fünf verschiedenen Angebotsstandorte des OPEN SUNDAY. Darüber
hinaus haben sich offene Basketballtreffs, die NRW Streetbasketball Tour auf dem
Kesselbrink, die OPEN AREA, die Bielefelder Streetsoccer Tour, die inklusiven Sporttage, das
Cross out im Oberlohmannshof und die Bielefelder Night Events als gute Angebote einer
bewegungsorientierten mobilen Jugendarbeit bewährt.



Verein „Spielen mit Kindern“: Mit den Spielmobilen Trolli und Pippo in der Arbeit mit
geflüchteten Mädchen und Jungen konnte ein niedrigschwelliges Angebot bedarfsgerecht und
mit flexiblen Einsatzmöglichkeiten umgesetzt werden. Die Kinder setzen sich im Spiel nicht nur
aktiv und intensiv mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinander, sondern verbinden sich über
die zugeschriebenen Kategorien und Grenzen von „Ethnie“ und „Kultur“ hinweg, aufgrund der
Tatsache, dass Spielen auch ohne Sprache gelingen kann. Die Arbeitsschwerpunkte liegen im
Oberlohmannshof, in diversen Unterkünften, im Moenkamp (Altenhagen) und auf dem
Kesselbrink. Neben den wöchentlich durchgeführten Einsätzen vor Ort wurden Ferienfreizeiten
und Ausflügen durchgeführt und gemeinsame Feste veranstaltet.



Mädchentreff: In den stadtweit angelegten Angeboten werden geflüchtete Mädchen* und
junge Frauen* darin unterstützt, im Mädchentreff und an weiteren Orten der Offenen
Jugendarbeit Fuß zu fassen, Kontakte zu knüpfen, sich sicher in der Stadt zu bewegen und
Orte in Bielefeld, die für sie relevant, interessant und von Bedeutung sein könnten,
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kennenzulernen. Dazu wurde Kontakt über die internationalen Klassen und auch die
Unterkünfte geknüpft. Ziel ist es, geflüchtete Mädchen und junge Frauen in ihrem
Selbstbewusstsein zu stärken (Empowerment - Ansatz) und somit das Ankommen in Bielefeld
wie auch in der Gesellschaft zu unterstützen.
3. Kernaussagen


Das Konzept der Mobilen Jugendarbeit findet derzeit lediglich in Sennestadt eine gelingende
Umsetzung, die auf Mobilität und aufsuchender Arbeit fußt. Hier ist die Mobi Sennestadt an die
Jugendeinrichtung LUNA fachlich und personell angeschlossen und fährt mit dem Wohnmobil
in abgelegene Wohngebiete bzw. zu beliebten Treffpunkten der Jugendlichen im Stadtbezirk.
Problematisch ist, dass das Wohnmobil bereits recht alt ist und ausschließlich Platz für sechs
bis acht Besucher*innen hat.



Alle anderen Angebote der „mobilen“ Jugendarbeit sind in Kleintreffs z.B. an Schulen oder
Sportstätten untergebracht und haben sich in erster Linie stationär konzeptionell verankert.
Diese Angebote werden allerdings auch stark frequentiert und sind in der Angebotslandschaft
der Offenen Kinder- und Jugendarbeit unentbehrlich.



Dies gilt auch und besonders für die Spielmobile, die ihrem mobilen Auftrag in vollem Umfang
nachkommen, sich aber aufgrund ihrer programmatischen Ausrichtung auf die Zielgruppe der
Kinder beschränken. Im Rahmen der Spielmobilarbeit muss über eine angemessene,
auskömmliche Förderung nachgedacht werden (siehe eingangs Beschlusspunkt 4.).

4. Empfehlungen zur Stärkung der mobilen Arbeit
Im beigefügten Bericht werden ab Seite 14 drei verschiedene Szenarien aufgezeigt. Aus
jugendhilfeplanerischer Sicht wird folgendes empfohlen:


Vierjährige Erprobung eines „Jugendbusses“ als innovatives und ergänzendes
mobiler Arbeit in zwei Phasen (siehe eingangs Beschlusspunkt 3.a. und 3.b.).

Element

Mit diesem Projektansatz soll auch vornehmlich die bisher über mobile Ansätze nur schwer zu
erreichende Zielgruppe der Jugendlichen in den Blick genommen werden. Die Gestaltung und
programmatische Ausrichtung des Angebotes muss unbedingt unter partizipativer Einbindung
der Zielgruppe entwickelt werden.
Der Bus eröffnet die Möglichkeit, schnell und flexibel auf veränderte Bedürfnisse junger
Menschen und Bedarfe in Sozialräumen einzugehen und bietet eine eigene und „coole“
Aufenthaltsqualität. Die Angebote können befristet und bei demographischen und sozialen
Veränderungen angepasst werden.
Bei einer Gesamtlaufzeit von vier Jahren werden die Kosten für einen Jugendbus im
beigefügten Bericht mit ca. 20.000 €/Jahr beziffert. Darin sind keine Personalkosten enthalten.
Für die erste Phase von zwei Jahren (voraussichtlich bis 31.12.2020), in der der Jugendbus
nicht nur der Mobilitätserhöhung dient, sondern auch (teilweiser) Ersatz für das dann im
Umbau befindliche Jugendzentrum Niedermühlenkamp ist, wird davon ausgegangen, dass
Personal des Jugendzentrums Niedermühlenkamp zur Verfügung steht, um Angebote im
Jugendbus durchzuführen. In der Erwartung, dass die Mietkosten des Trägers während der
Umbauphase geringer ausfallen, sollten die Sachkosten für den Jugendbus daraus finanziert
werden können (siehe eingangs Beschlussvorschlag 3.a.). Träger des Jugendbusses sollte in
dieser Phase der Betreiber des Jugendzentrums Niedermühlenkamp sein.
In der zweiten Phase (voraussichtlich ab 01.01.2021) steht das Personal des Jugendzentrums
Niedermühlenkamp nicht mehr zur Verfügung, da der Umbau dann abgeschlossen ist. Auch
stehen dann die ersparten Mietkosten nicht mehr zur Verfügung. Es entstehen ab dann daher
Kosten von ca. 75.000 €/Jahr für Personal (1,0 Stelle; 55.000 €) und Sachkosten
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(20.000 €/Jahr). Entsprechende Mittel wären zusätzlich bereitzustellen. Da aktuell die
Kalkulationen für den Doppelhaushalt 2020/2021 erfolgen, ist es zielführend, diesen
Mittelmehrbedarf ab 2021 bereits vorsorglich einzuplanen. Die Trägerschaft für den
Jugendbus ist in 2020 nach durchgeführtem Interessenbekundungsverfahren durch den
Jugendhilfeausschuss zu vergeben.
Anmerkung: Sollte es nach der ersten Phase zu Umbauten in anderen Jugendeinrichtungen
kommen und keine Ausweichfläche zur Verfügung stehen, könnte ein (zeitweiser) Einsatz des
Jugendbusses auch dort einen Beitrag zur Problemlösung darstellen.


Dass die Kleintreffs heute vielfach nicht wirklich mobil sind, findet auch seinen Grund darin,
dass Mittel für die Anschaffung und Unterhalt von Fahrzeugen (Bullis) fehlen. Die Finanzierung
solcher Fahrzeuge bietet die Möglichkeit, Aktivitäten außerhalb der Einrichtung und des
Sozialraumes wahrzunehmen, also den Blick über den Tellerrand des eigenen Stadtteils zu
wagen. Die Fahrzeuge bieten allerdings keine eigene Aufenthaltsqualität, sondern können
lediglich Menschen und/oder pädagogisches Material transportieren.
Aus Sicht der Verwaltung ist es daher sachgerecht, im Gespräch mit diesen Trägern nochmals
die Situation zu betrachten und Notwendigkeiten sowie Möglichkeiten zu erörtern, durch
Einsatz eines Bullis tatsächlich mobile Angebote stärker „in die Fläche zu bringen“ (siehe
eingangs Beschlusspunkt 4.). Ergeben sich hier Notwendigkeiten und Möglichkeiten, ist auch
über Kooperationen zwischen Trägern nachzudenken, da so die Auslastung der Fahrzeuge
erhöht werden könnte. Nach Klärung in der Sache und anschließender Kostenschätzung stellt
die Verwaltung dem Jugendhilfeausschuss die Ergebnisse zwecks Entscheidung über die
eventuelle Bereitstellung zusätzlicher Mittel für solche Fahrzeuge vor.

Beigeordneter

Ingo Nürnberger

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