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Anlage Konzept Schulstation-10-03-09

                                    
                                        Konzeptionelle Grundlagen für das Projekt „Schulstation“

1. Rahmenbedingungen:
Das Land NRW hat die Schulen und Träger der Jugendhilfe in zahlreichen
Rechtsvorschriften zur Zusammenarbeit auf den unterschiedlichen Ebenen
verpflichtet.
Die vom Jugendhilfe- und Schul- und Sportausschuss im Jahr 2007 beschlossenen
Bielefelder Leitlinien für die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule bilden den
örtlichen Handlungsrahmen zur Ausgestaltung der Zusammenarbeit.
In den Leitlinien heißt es: „Die Stadt Bielefeld fördert die Entwicklung von Kindern und
Jugendlichen und unterstützt sie in der Entfaltung von zukunftsfähigen
Lebensperspektiven in besonderem Maße…Im Zentrum der Zusammenarbeit von
Jugendhilfe und Schule in Bielefeld steht die gemeinsame Verantwortung aller
Beteiligten für die Verbesserung der Lebensperspektiven von Kindern und
Jugendlichen durch Bildung, Erziehung und Betreuung in der Gesamtstadt und in
jedem einzelnen Stadtteil.“
Als Ziele der Zusammenarbeit werden u.a. benannt:
• „Individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere der
sozial benachteiligten, behinderten wie der besonders begabten jungen
Menschen,
• Förderung individueller Lernprozesse unter Berücksichtigung der
unterschiedlichen Lebenswelten,
• Entwicklung und Förderung von sozialen Schlüsselqualifikationen,
• Regelmäßigkeit des Schulbesuchs
• Unterstützung beim Übergang in andere Schulformen.“
2. Ausgangslage
Bei einer kleinen Anzahl von Kindern und Jugendlichen stoßen die Fachkräfte der
Schule und Jugendhilfe im Rahmen ihrer Tätigkeit immer wieder an ihre Grenzen.
Von schulischer Seite hatte man fest gestellt, dass es in den vergangenen Jahren
eine steigende Anzahl von Kindern/Jugendlichen gegeben hat, die aufgrund von
individuellen Problemen an ihren Regelschulen nicht mehr beschulbar waren.
Es handelt sich um Kinder und Jugendliche mit oder ohne sonderpädagogischen
Förderbedarf, jedoch mit hohem Unterstützungsbedarf auf Grund erheblicher
psychischer Probleme und weiterer erschwerender Bedingungen.
Den Minderjährigen ist mit Unterstützungsangeboten der Jugendhilfe allein in der
Regel nicht zu helfen; den Anforderungen des Schulbesuchs sind sie nicht
gewachsen. Auch die Eltern dieser Kinder sind häufig mit der Erziehung und
Betreuung überfordert. Die Kinder/Jugendlichen befinden sich zumeist auch in
„psychiatrischer Behandlung“. Durch krisenhafte Situationen oder komplexe
Störungen wird dann eine Einweisung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie
notwendig.
Einzelne Maßnahmen der Schule oder der Jugendhilfe allein können dem hohen
Förder- und Unterstützungsbedarf nicht gerecht werden. Erforderlich ist ein
abgestimmtes Vorgehen aller Beteiligten.
Nach Entlassung aus der Psychiatrie benötigen diese Kinder in der Regel weiterhin
eine intensive Unterstützung von Jugendhilfe und Schule und einen besonderen
Förderraum, um sich langsam wieder an die an sie gestellten Anforderungen zu
gewöhnen.

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3. Projektidee
Anhand von aktuellen Fallbeispielen wurden Hilfeprozessverläufe sowohl aus
schulischer als auch aus Sicht der Erziehungshilfe analysiert. Fazit dieser Analyse
war, dass die Kinder/ Jugendlichen nicht nur in einem Lernfeld (z.B. Schule)
Auffälligkeiten zeigten, sondern in allen Lebensbereichen Probleme und Krisen zu
verzeichnen waren. Die Probleme der Kinder/Jugendlichen bestanden nicht nur
kurzfristig, sondern zogen sich über längere Zeiten hin. Nach Einschätzung der
betreuenden und behandelnden Fachkräfte der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der
Schule und der Jugendhilfe benötigten die Kinder/Jugendlichen dringend klare
Strukturen, feste Regeln und Verbindlichkeiten aber auch einen geschützten
Rahmen, um sich zu stabilisieren.
Um diesen Kindern/Jugendlichen und ihren Familien ein adäquates
Unterstützungsangebot zu machen, entstand im Sommer 2008 die Idee des
Angebots einer „Schulstation“, welches in ein auf den Einzelfall abgestimmtes
Verfahren der multiprofessionellen Hilfeplanung eingebettet werden muss.
Auf der einen Seite soll den Kindern/Jugendlichen so ein zeitlich befristeter
schulischer
Förderraum
geboten,
auf
der
anderen
Seite
die
Unterstützungsmöglichkeiten von Schule, Psychiatrie und Jugendhilfe für diese
Kinder/Jugendlichen und ihre Familien besser miteinander vernetzt werden.
In der Folge wurde eine Projektgruppe gegründet, die die Projektidee miteinander
diskutiert und in einem Workshop mögliche Zielsetzungen, die Zielgruppe sowie
Details zur Ausgestaltung der Angebote abgestimmt hat (s. Anlage). In diesem
Prozess wurde von Anfang an Wert auf eine multiprofessionelle Zusammensetzung –
aus den drei Bereichen Schule, Psychiatrie und Jugendhilfe - gelegt.
Alle an der Projektentwicklung Beteiligten sehen die Notwendigkeit eines spezifischen
Angebotes und unterstützen die Projektidee und das Projekt ausdrücklich.
Den rechtlichen Rahmen bildet der Anspruch eines jeden Kindes auf individuelle
Förderung (SchulG §1) und der Anspruch Personensorgeberechtigter auf Hilfe bei
der Erziehung (§ 27 SGB VIII) sowie der Anspruch Kinder/Jugendlicher auf
Eingliederungshilfe, wenn ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt
oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist (§ 35a SGB VIII).
4. Ziele und Bausteine des Projektes
Übergreifendes Ziel des Projektes ist die Schaffung eines bedarfsgerechten Angebots
für Kinder/Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren an der Grenze zwischen
Psychiatrie und Jugendhilfe und deren Familien, um:
•

diesen Kindern/Jugendlichen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu
ermöglichen bzw. zu erleichtern
• Kindern/Jugendlichen nach Krisen (Psychiatrieaufenthalt) die Integration in
Schule und Lebensalltag zu erleichtern und sie zu begleiten
• Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder nach einer Krisensituation zu
unterstützen
und
• Unterstützungsangebote der Psychiatrie, Schule und Jugendhilfe besser
aufeinander abzustimmen.
Hierzu soll ein vernetztes Unterstützungsangebot für die unter Ziffer 5 benannte
Zielgruppe entwickelt werden, welches ab Schuljahresbeginn 2009 als Projekt startet.
Zur Umsetzung der vorgenannten Ziele sind drei Bausteine erforderlich:
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•
•
•

Die Schaffung eines separaten, temporären Lernortes, um die Rückschulung
der Kinder/Jugendlichen in das Regelschulsystem zu erreichen (Schulstation
Hamfeldschule)
Die Schaffung verbindlicher Standards für die Zusammenarbeit von Schule,
Psychiatrie und Jugendhilfe im Hilfeprozess
Die Festlegung der erforderlichen und geeigneten Unterstützungsangebote
aus den verschiedenen Hilfesystemen im Einzelfall.

5. Zielgruppe
Das Angebot richtet sich grundsätzlich an Schüler und Schülerinnen aller Bielefelder
Schulen und deren Eltern, die sich in einer krisenhaften Situation befinden, die eine
Aufnahme in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erforderlich macht. Aufgrund der
Erfahrungen der letzten Jahre ist von einer Anzahl von ca. 10 Kindern/Jugendlichen
pro Schuljahr auszugehen.
Folgende Merkmale kennzeichnen die Situation dieser Kinder/Jugendlichen:
• Sie befinden sich in (Lebens-)krisen oder Übergangszeiten (z.B. in belasteten
Behandlungsphasen, nach oder zwischen Klinikaufenthalten, Wartezeit auf
Anschlussmaßnahmen),
• Sie haben einen fachübergreifenden Hilfe- bzw. Förderbedarf aus Kinder- und
Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Schule,
• Sie sind temporär damit überfordert, die Anforderungen eines „normalen“
Schulalltags zu erfüllen,
• Ihnen wurde bereits eine Reihe an Unterstützungsangeboten zur Verfügung
gestellt, die bislang jedoch zu keiner nachhaltigen Verbesserung ihrer
Situation geführt haben,
• Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten haben die Bereitschaft erklärt, im
Rahmen ihrer Möglichkeiten an der Umsetzung der angeboten Hilfen
mitzuwirken.
Um in das Projekt aufgenommen zu werden, sollte in der Regel eine der folgenden
Diagnosen bzw. Anfangsdiagnosen der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorliegen:
• Verhaltens- bzw. emotionale Störung
und/oder
• Schulangst bzw. Schulphobie.
Für Kinder mit
• Dissozialer Störung
• Dissozialer Schulverweigerung
• Disziplinarischer Entlassung aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie
bietet das Projekt nicht den notwendigen und geeigneten Rahmen. Vielmehr stehen
für diese Kinder/Jugendlichen andere Angebote – insbesondere der Schulsozialarbeit
- zur Verfügung.
6. Erforderliche Ausstattung
Um das Projekt umzusetzen werden folgende Kapazitäten benötigt:
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•
•

Ein/e Sonderpädagoge/in mit 1,0 Stellenanteilen
Eine sozialarbeiterische Fachkraft mit 0,75 Stellenanteilen
Einmalig 1500,- € zur Anschaffung von Ausstattung und Fördermitteln

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•

Für erlebnispädagogische, freizeitpädagogische Angebote, Elternarbeit, Kurse:
ca. 1000,- € /Jahr

•

Die Räumlichkeiten werden seitens der Hamfeldschule zur Verfügung gestellt.

7. Projektlaufzeit
Da es sich um eine relativ kleine Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit komplexen
Problemlagen handelt, sind Veränderungen im Verhalten dieser Kinder/Jugendlichen
nicht kurzfristig zu erzielen. Zur Überprüfung, ob das Projekt erfolgreich ist und die
Projektziele auch nachhaltig gesichert werden können, ist eine Projektlaufzeit von 3
Jahren erforderlich.

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